Wie man sich bereits am Titel denken kann, wird dieser Beitrag von mir etwas persönlicher. Da die Themen Heimweh und Zweifel im Auslandsjahr oft nicht öffentlich dargestellt werden, finde ich es umso wichtiger das zu machen. Ich hoffe, dass ich die Situation dennoch gut und sachlich wiedergeben kann.

Anfangs viele Hausaufgaben

Zum Schulstart gab es meiner Meinung nach ziemlich viele Hausaufgaben. Zum einen „kleinere“ Aufgaben in Fächern wie Engineering oder Home Economics. Zusätzlich haben wir dann aber auch aufbekommen eine eigene Geschichte in Englisch zu schreiben, Umfang etwa fünf Seiten. In der selben Woche sollten wir dann auch noch einen Aufsatz in Musik schreiben, zur Entwicklung der Pop-Musik von 1950 bis heute. Ich war und bin immernoch ziemlich müde nach jedem Schultag, wodurch ich die Hausaufgaben nicht so gut machen konnte. Dadurch war ich sehr unzufrieden, weil ich alles direkt perfekt machen wollte. Außerdem kamen Zweifel auf, ob das Auslandsjahr überhaupt das Richtige für mich ist, wenn ich am Anfang schon solche Probleme habe.

Inzwischen ist mir aber wieder klar geworden, dass es ja genau um so etwas im Auslandsjahr geht! Genauer gesagt darum neue Probleme zu lösen, selbstständiger zu werden und natürlich auch um das andere Land kennenzulernen.

Lösung des Hausaufgabenproblems

Es hat mich etwas Überwindung gekostet, aber ich habe meine Lage einfach mal bei unserem Ansprechpartner in der Schule angesprochen. Dieser meinte dann sofort, dass ich mich vor allem in der Anfangszeit nicht selber so stressen soll. Er hat außerdem mit meinen Lehrern gesprochen, dass es sein kann, dass ich die Aufgaben im Moment nicht immer rechtzeitig abgeben kann. Das hat mir schonmal sehr viel Last genommen, sodass ich mich auch wieder besser auf die einzelnen Themen konzentrieren konnte. Außerdem hat er einen Termin für mich mit dem Beratungslehrer der Schule abgemacht. Das fand ich anfangs zwar etwas unnötig, im Nachhinein war das aber wohl doch ganz gut. Mit ihm habe ich dann gar nicht wie erwartet darüber geredet warum ich Schwierigkeiten mit den Hausgaben habe, sondern eher wie es mir generell geht.

Die andere Wohnumgebung

Ein anderer Faktor für mein Heimweh und Zweifel ob das Auslandsjahr wirklich die richtige Entscheidung war, war der Ort wo ich wohne. Ich habe ja bereits in meinem Beitrag zur Fahrt in die Gastfamilie erwähnt, dass ich in dem kleinen Ort Bangor Erris wohne. Dieser liegt etwa 20 Kilometer von Belmullet und der Schule entfernt.

Hier gibt es zwar einen Supermarkt, aber ansonsten praktisch nichts. Auch spazieren gehen ist eher schwierig, weil die Landstraßen hier keine Fußwege nebenbei haben. Es fährt einmal am Tag ein öffentlicher Bus in die nächste größere Stadt Ballina, und am Abend dann zurück. Das war’s. Das ist für mich eine große Umstellung Ich bin es bisher aus Hamburg gewöhnt, dass etwa alle 10 Minuten die nächste U-Bahn in die Stadt fährt. Auch wenn ich das nie so sonderlich viel genutzt habe, fühle ich mich hier jetzt plötzlich eingeschränkt.

Corona sorgt für weitere Einschränkungen

Das erste große Problem durch Corona ist meiner Meinung nach der Schulbus. Es ist sehr schwer bzw. es dauert sehr lange an Tickets für den Schulbus zu kommen, weil diese immer nur halb voll sein dürfen. Zum heutigen Stand (27.09.) habe ich auch einen Monat nachdem ich in Irland bin noch kein Busticket. Und das kann wohl auch noch mehrere Wochen dauern. Deswegen muss uns unsere Gastmutter immer mit dem Auto bringen und abholen. Das geht zwar auch, aber ist natürlich ein weiterer Faktor wo ich dann abhängig von meiner Gastfamilie bin. Zudem bedeutet das für meine Gastmutter auch zwei Stunden weniger Zeit pro Tag, weil sie diese Zeit im Auto verbringt. Es ist zwar okay für sie, trotzdem weiß ich, dass sie in der Zeit auch anderes machen würde.

Hier ist es wohl generell nicht so üblich sich ständig mit Freunden zu treffen, das liegt wahrscheinlich an der Abhängigkeit von den Schulbussen. Durch Corona ist das ganze auch nochmal weniger. Hier auf dem Land sind alle sehr besorgt in einen zweiten Lockdown zu gehen. Die Fälle steigen in den großen Städten und in zwei Counties wurden die Beschränkungen schon deutlich verschärft.

Heimweh & Zweifel

Das alles hat dann irgendwie dazu geführt, dass ich zwischenzeitlich ziemlich Heimweh hier im Auslandsjahr hatte. Glücklicherweise ist meiner Gastmutter aufgefallen, dass es mir nicht so gut ging. Sie hat mich nach dem Abendessen angesprochen und wir sind dann draußen spazieren gegangen, um ein bisschen darüber zu sprechen. Das hat mir sehr geholfen und mal wieder gezeigt, dass es wichtig ist über alles zu sprechen! 🙂 Sie hat mir zum Beispiel erzählt, dass das mit dem Freunde treffen hier in der ländlichen Region sowieso nicht so häufig ist. Durch Corona ist das aber natürlich nochmal weniger geworden. Außerdem habe ich mit Klavierunterricht angefangen, um ein bisschen was neben der Schule zu machen. Bisher macht mir das sehr viel Spaß, auch wenn ich bisher erst eine Unterrichtsstunde hatte und dann halt noch geübt habe.

Fazit

Man muss auf jeden Fall immer mit den Leuten vor Ort über seine Probleme reden, sei es in der Schule oder Zuhause. Außerdem ist es auch wichtig sich nicht zu große Vorstellungen vom Auslandsjahr zu machen. Das Auslandsjahr soll ja nicht unbedingt ein Jahr sein wo man super viel unternimmt, sondern in dem man in einem anderen Land lebt. Sodass man die Lebensweise, Kultur und sonstiges aus dem Land kennenlernt. Und daneben natürlich auch um sich selber weiter zu entwickeln, indem man auftretende Situationen und Probleme bewältigt. Und ganz nebenbei verbessert man auch noch sein Englisch! 🙂

Nach den bisher auftretenden Problemen mit Heimweh und Zweifel über das Auslandsjahr geht es mir inzwischen wieder gut. Zum Beispiel habe ich heute einfach mal mit im Garten geholfen und so etwas mit der Familie zusammen gemacht.

5 Kommentare

  1. Hallo lieber Linus,

    ich finde es ganz toll, wie Du schreibst und uns damit informiert hältst. Und diesen Bericht zu Heimweh und Zweifel finde ich ganz klasse und mutig. Hut ab!

    Beim obigen Bild mit den Gartenabfällen musste ich laut lachen. Ihr habt ja nicht viel übrig gelassen vom Garten. 🙂

    • Dankeschön 😀
      Tatsächlich viel es mir deutlich schwerer diesen Bericht zu verfassen als bei den bisherigen. Aber da ich auch dieses Thema wichtig finde, fand ich es umso wichtiger das auch zu teilen.

      Die Gartenabfälle sind nur aus einer Ecke der Auffahrt. Es gibt aber noch ganz schön viel zutun, meine Gasteltern haben sich kürzlich erst das Gründstück vor dem Haus gekauft, um dort einen Garten gestalten zu können.

      Liebe Grüße aus Irland

  2. Hallo lieber Linus,
    Du hast mir richtig leid getan beim lesen deiner Beschreibung deiner momentanen Lebensumstände in Irland Den Gegensatz zu deinem Leben in Hamburg finde ich auch wirklich krass. Aber ich denke du hast die richtigen Wege gefunden, trotz corona das beste aus deinem Jahr zu machen . Ich wünsche dir viele entspannte Momente😘

    • Der Unterschied ist wirklich gewaltig, daran muss ich mich auch erstmal langsam gewöhnen.

      Am Ende ist das Auslandsjahr aber dafür da in einer Familie in einem anderen Land zu leben, nicht unbedingt so viel zu unternehmen. Deswegen finde ich es auch sehr toll, dass ich hier im Moment im Garten helfen kann und so involviert bin.

      Liebe Grüße aus Irland

  3. Lieber Linus,

    ich finde Deine Berichte wirklich toll: Du schreibst so ausführlich und offen. Prima. Sehr schön finde ich für Dich, dass Du eine so nette Gastfamilie gefunden hast, das hilft Dir doch sehr. Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute! Es war bestimmt eine gute Entscheidung für solch einen langen Auslandsaufenthalt.

    Liebe Grüße
    Opa

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